Thema des Monats - August 2017

Bullshit-Bingo, Kekse und Aktenordner

 

Drei Tage Textworkshop für die junge bühne. Wie entsteht eigentlich ein Theatermagazin und vor allem eins, das sich an junge Leute richtet? Dieser Frage widmeten wir uns Anfang März bei einem Workshop in Leipzig.

 

Von Jana Nowak


Wir, das sind sechs Theater- und Musikwissenschaftler, Germanisten oder andere Studenten mit Erfahrung im Print-, Onlinejournalismus oder Radio, aber auch drei FSJlerinnen, die in unterschiedlichen Leipziger Kulturbetrieben ins Berufsleben schnuppern. Unter der Regie von Martin Bürkl, unserem CvD (was im seriösen Journalistensprech so viel heißt wie „Chef vom Dienst"), erarbeiteten wir für die Jahresausgabe der jungen bühne ein Konzept für viele unterschiedliche Artikel rund um das Theater der Jungen Welt. Als ältestes Kinder- und Jugendtheater Deutschlands ist das TdJW mit seinen inzwischen 70 Jahren bei Groß und Klein berühmt-berüchtigt als der Ort, wo schon Oma und Opa als Schulkinder ihre ersten Theaterstücke sahen. Unser Ziel war es also, während des Workshops die von Martin und der Redaktion erarbeiteten Themen zu recherchieren und Material zu sammeln. Das bedeutete für einige von uns klassische Archivarbeit, also das Wälzen der schweren Aktenordner, in denen das Theater alte Kritiken sammelt, während andere mit Interviews beschäftigt waren oder Proben besuchten.

 

Die Autorin des Artikels als Fotografin im Einsatz; Foto: Jana Nowak


Aber von Anfang an: Tag eins unseres Workshops verbrachten wir auf der Probebühne des TdJW, die zu Fuß etwa zehn Minuten vom Haupthaus entfernt im hippen Künstlerviertel Plagwitz liegt. Bei Kaffee und Keksen lernten wir uns kennen und besprachen, was genau wir mit unseren Artikeln erreichen wollen - oder vor allem - nicht wollen: Anhand einiger Rezensionen renommierter Kritiker suchten wir nach Unklarheiten und Begrifflichkeiten, die besonders gerne unter dem Deckmantel der Intellektualität Verwendung finden, oder wie Martin es charmant ausdrückte: „Kritiker-Floskel-Bullshit-Bingo".


Im Anschluss daran kam Intendant Jürgen Zielinski zu uns. Er hatte, während wir uns über abgeschmackte Theaterbegriffe amüsierten, im Raum genau unter uns an der Produktion „Juller" gearbeitet - einem Stück über den deutschen Fußballer jüdischer Abstimmung Julius Hirsch. Nach einem kurzen Gespräch über die Anforderungen, die Zielinski an Kritiker stellt und über seine Erfahrungen mit Journalisten, entschwand er wieder zu einer weiteren Probe. Für uns ging es zum nächsten Programmpunkt über, einer Führung durch die Probebühne. Das kleine, rote Backsteinhaus, das versteckt in einem Hinterhof gelegen ist, und trotz Trampolin und herumliegenden Spielsachen der Nachbarn noch den Charme einer alten Fabrik ausstrahlt, ist mit insgesamt drei Proberäumen ausgestattet. Außerdem gibt es eine Küche und einen Rückzugsort für Schauspieler oder übermüdete Regieassistenten - Einzelbetten inklusive.


Spannend war es vor allem, einen Blick hinter die Kulissen zu erhaschen und zu sehen, wie die Entwicklung einer Inszenierung abläuft: An den Wänden der Probebühnen von „Juller" und „Rose Rose Rose" hingen Skizzen der Kostüme, sogenannte Figurinen, Moodboards und schuhkartongroße Miniaturen des Bühnenbilds standen herum. Während die „Juller"-Bühne eher minimalistisch gestaltet war, mit einer nur angedeuteten Ausstattung aus Pappkarton, quoll die „Rose Rose Rose"-Bühne vor lauter Requisiten über (siehe Seite...): Der gesamte Raum war mit Glitzer, Barbiepuppen und überdimensionierten Katzenmasken übersät. Und mit diesen spannenden Einblicken in die beiden Produktionen endete am späten Nachmittag auch schon unser erster Tag - für die Theaterarbeit überraschend früh, so dass wir noch die ersten Frühlingssonnenstrahlen genießen konnten.

 

Die Fortsetzung folgt in der neuen Ausgabe der "jungen bühne", die Ende September 2017 erscheint...


Das aktuelle Heft könnt ihr ab Oktober 2017 hier bestellen.