Thema des Monats - August 2019

Freiheit und Selbstbewusstsein

 

Dieser Text ist das Einstiegsschnmankerl für die neue Ausgabe der jungen bühne, die Ende September erscheint. Unser Partner in der Ausgabe 13 ist die Theaterakademie August Everding in München. Einige Studierende aus unterschiedlichen Fachrichtungen haben unter Leitung der Kulturjournalistin Anne Fritsch fürs Heft geschrieben, darunter drei Schauspielstudent*innen, die von ihren Erfahrungen im ersten Ausbildungsjahr berichten.

 

Von Jan-David Bürger

 

Sobald ich in der Schule war, kam dieses schöne Kribbeln, das ich bei jeder Schule verspürte, bei der ich vorsprach. Von Schule zu Schule hat sich aus einem unangenehmen Lampenfieber ein angenehmer Adrenalin-Rausch entwickelt, der mir Freiheit und Selbstbewusstsein schenkte. Und Yes! Ich wurde angenommen.

 

Zwei Jahre hatte ich es an einigen Schulen versucht und bin Schritt für Schritt vorangekommen. Nach einigen Versuchen kam ich in die zweite Runde und dann immer öfter in die Endrunde. Jetzt habe ich einen Studienplatz in der Tasche, endlich. Die Frage von Jochen Schölch, dem Studiengangsleiter für Schauspiel an der Theaterakademie August Everding, ob ich denn den Studienplatz haben möchte, erschien mir so surreal und schon fast wie ein Witz. Ich war total überwältigt. „Ja, ich will. Ich will den Studienplatz!"

 

Wenn man vorsprechen geht, erscheint einem die jeweilige Schule wie etwas Heiliges, Unerreichbares. Man sieht die Studenten herumschreiten wie Könige. „Die wissen, wie es ist", ging mir manchmal durch den Kopf, wenn sie die aufgeregten Bewerber auf ihre kommende Prüfung vorbereiteten.

 

Jetzt bin ich selbst einer von ihnen. Und ich bin überglücklich, dieses Privileg zu haben. Innerhalb eines Jahres habe ich meinen Körper ganz neu kennengelernt. Vieles hat sich verändert. Vieles hat sich gelöst. Wir lernen hier mit einem neuen Bewusstsein, unseren Körper auf der Bühne in verschiedener Weise einzusetzen und mit ihm etwas auszudrücken. Ich habe nun professionelle Hilfe, die mich auf der Suche begleitet, was für ein Schauspieler ich sein will.

 

Natürlich werden die Unterrichte zur Gewohnheit, doch ich würde diesen Platz um nichts in der Welt mehr hergeben. Die Dinge, die wir hier täglich machen, sind die Dinge, die ich jeden Tag machen will. Sprechen, Singen, alle möglichen Formen von Bewegung und vor allem Schauspiel sind meine Leidenschaft. Und wenn man dann noch das Glück hat, in einem so wahnsinnig tollen Jahrgang zu landen wie meinem, dann zweifelt man schon manchmal, ob das alles real ist. Dieser Zweifel ist aber sofort vorbei, wenn man erschöpft vom Bewegungsunterricht die zweite Wasserflasche leer gemacht hat.
Dass wir an unsere Grenzen stoßen und es manchmal ganz schön zur Sache geht, bestätigt mich nur noch mehr, dass ich genau das will.

© Christian Hartmann
© Christian Hartmann