Grenzen gibt’s nur im Schädel

 

Von Kübra Böler

 

„So sieht mein Theater der Zukunft aus!“
Ich habe die Nase gestrichen voll. Immer und überall wird von mir und meines gleichen berichtet.
Die Medien können gar nicht oft genug betonen, wie unterdrückt ich doch sei und befreit werden
müsse. Wieso?


Wahrscheinlich haben viele JournalistInnen keine Zeit mehr für's Theater. Sonst würden sie mir
über den Weg laufen und mich eventuell ansprechen können. Aber würde das nicht ganz und gar
dem Klischee des armen, unterdrückten Kopftuchmädchens widersprechen?
Sie, das kleine Mädchen mit dem blauen Schal, sitzt mit ihrer Freundin ganz vorne, wenn es darum
geht: Vorhang auf für Hamlet!


Mein Theater der Zukunft ist eine Begegnungsstätte für Jung und Alt, egal welcher Nation, Kultur
oder Religion sie angehört. Die Theatersäle sind prope voll mit jungen Kopftuchträgerinnen, die
sich in der Schule mit Schillers Räubern, Goethes Werther oder Lessings Emilia Galotti
auseinandersetzen müssen. Die Theatergruppen sind überfüllt von jungen Menschen, die
normalerweise aus traditionell-religiösen Gründen eine Auseinandersetzung mit dem Gegenstand
'Theater' vermeiden mussten, da sie nicht aus dem Rahmen fallen wollten.


Alle Theater in Deutschland kooperieren mit vielen kleinen und großen Religions- und
Kulturverbänden sowie -organisationen. Sie animieren Imame, Priester, Rabbis und alle anderen
Verantwortlichen großen „Mächte“ dazu, sich intensiv mit dem Theater auseinanderzusetzen und
einzusehen, dass vor allem Religion sehr wohl mit Theater, Musik, Tanz, Kunst und Gesang
vereinbar ist.


Grenzen gibt’s nur im Schädel.
Theater ist Ausdruck, Leben, Verarbeitung, Bildung. Ja – Theater ist Bildung! Und es ist die Art von
Bildung, die man nicht durchs Bücher wälzen erlangen kann.
Die Erfahrungen, die man beim eigenen Spiel oder bei der Mitwirkung einzelner Stücke erwirbt,
kann kein Buch, kein stundenlanger Vortrag über religiöse Inhalte vermitteln.
Man stößt an seine Grenzen, lernt viele neue Menschen kennen und entdeckt ganz viele neue Seiten
an sich.


Die Auseinandersetzung mit dem Theater – egal, ob nur der Besuch eines Dramas oder ein Blick
hinter die Kulissen – fördert jeden einzelnen in seiner eigenen Persönlichkeit und stärkt das
Selbstbewusstsein.


Gerade deswegen sollten die Menschen lieber mit dem Theater beschäftigt sein, anstatt nachmittags
vor dem Fernseher zu hocken und sich das Nachmittagsprogramm von RTL anzuschauen.. Das
Theater bietet durchaus authentischere und leidenschaftlichere Schauspieler, die sich intensiv mit
ihren Rollen beschäftigen und mit Leib und Seele die Message einer jeden Theaterinszenierung dem
Zuschauer nahe zu bringen.


„Mein Theater der Zukunft“ - die Crème de la Crème der Integrationsdebattenverweigerer. (: